In einer Berliner Zeitung stand kürzlich mal wieder der Satz, dass das 20. Jahrhundert eigentlich bloss von 1914 bis 1989 gedauert habe. Dem stimme ich zu, nur halten die meisten Menschen fälschlicherweise den Fall der Berliner Mauer für das entscheidende Ereignis im Jahr 1989. Lesen fortsetzen
Anker über Bord
Wie macht man Papier zu Gold? Ein unbeschränkt haftender Gesellschafter hat die Freundlichkeit, es hier zu erklären.
Das Zauberwort lautet Geldverankerung, oder wie es etwas ausführlicher heisst, die Restauration der nach der Aufgabe der Golddeckung des Dollars 1971 vermeintlich verlorenen Bindung des Geldes an reale Werte. Dabei muss man wissen: die Sehnsucht nach einer guten alten Zeit, ohne die Zumutung von Referenzverlust, die eine moderne Welt mit sich gebracht hat, ist meist älter als die beschworene gute alte Zeit selbst; so jedenfalls als hier die Nachkriegsjahrzehnte.
Die Politik aus der Sicht ihres Tieres
Hätten Sie gewusst, dass der Thurgau die letzten Jahre im Krieg war? Doch, eben haben sie dort wieder demobilisiert. Und das ausgerechnet an einem Wahlsonntag! Ja, hä, das hat jetzt der SVP geschadet. Vor allem ihrem Outdoorsegment:
«Sie hat auch eine negative Wanderungsbilanz zur BDP.»
Was gesagt werden kann
Will man der jüngsten Aufregung um Günter Grassʼ Versuch einer politischen Intervention in Gedichtform wenigstens eine Erkenntnis abgewinnen, dann könnte es diejenige von der paradoxen Unverrückbarkeit diskursiver und disziplinärer Grenzen im Zeitalter propagierter Interdisziplinarität und Diskursvielfalt sein. Der Schlagabtausch in Feuilleton, Literaturbetrieb und Politik, welchen die in ihrer Stossrichtung unerwartete Beanspruchung von Rederaum durch den Nobelpreisträger ausgelöst hat, lässt auf der Ebene der Zuständigkeit für bestimmte Problemstellungen Abgründe aufklaffen, über die es sich möglicherweise auch jenseits dessen, was angeblich gesagt werden muss, zu reden lohnt. Lesen fortsetzen
Was sich reimt, das stiehlt nicht
Am schieren Vergleich zweier Varianten einer stehenden Wendung freut sich das Sprachzentrum ganz besonders, dass es mal wieder in seiner reinen Urteilsfähigkeit penetriert wird. Es jubelt durch die Grosshirnrinde. Der Anlass für diesen Freudenausbruch: Eine Presseschau stellt zum Schluss nur einfach zwei verschiedene Titel zur Auswahl, welcher wohl der bessere sei:
Fuchs du hast das Geld gestohlen
oder
Fuchs du wirst noch ganz gestohlen
Keine Frage – doch will man herausfinden, wie der Text zu diesem lustigen Titel geht, und tippt diesen getreu in den Computer ein, so landet man nicht, wo man hinwollte, sondern – meinten Sie … ? – flugs bei einer recht unlustigen Frage.
Es ist da, wo sich Firefox und Googlegans gute Nacht sagen. Und die Gans, das raffinierte Tier, sie hat das ganze Geld gestohlen und schilt sodann den Fuchs dafür.
Spam spam spam
In den Weiten des Internets findet sich die Meldung, dass die US-Staatsanwaltschaft im Fall gegen den WikiLeaks-Informanten Bradley Manning wichtige Daten nicht erhalten hat und dadurch die Anklage geschwächt wurde. Der Grund? Weder Hacker noch sonstige von Assange gerufene Geister – sondern der Spamfilter der Staatsanwaltschaft. Lesen fortsetzen
Zurück auf die Nussbäume?
Der Schriftsteller Lukas Bärfuss organisiert am Zürcher Schauspielhaus neuerdings eine Gesprächsreihe mit dem Titel «Warten auf die Revolution». Ein seltsamer Titel: Man stellt sich vor, wie das grösstenteils gesetzte Schauspielhauspublikum in den weinrot gepolsterten Theaterfauteuils bequem, gut geschützt und in gehobener Ambiance darauf wartet, dass es draussen endlich einmal knallt, die «Carte Blanche» in der Gesässtasche («Warten auf die Revolution – 50 Prozent Rabatt!»). Dass irgendjemand endlich genug hat von allem und überhaupt. Einfach endlich irgendjemand, nur nicht sie selbst. Lieber warten. Ist ressourcenschonender, man muss ja morgen früh raus [«da gits kei Carte Blanche, gäll Schatz!»]. Lesen fortsetzen
Pause mit Knödel
Verdammt, der Ofen ist aus. Aber manchmal fällt sogar unserem Oberguru nur noch Sauerkraut ein. Dank an Leser Michael für die Reanimationsversuche. Vorerst haben sie nur dem Rostbraten auf die Sprünge geholfen.
Wer will es ihr verübeln?
Am 3. November 2011 veröffentlichte Lukas Egli, Ressortleiter Magazin bei «20 Minuten Online», diesen Text auf www.20min.ch. Er beantwortet darin die Frage:
«Sie wollen Kampfflugzeuge verkaufen, möchten aber kein Inserat schalten? Kein Problem, PR-Profis bringen Ihre Jets auch in den redaktionellen Teil.»
Er kennt das Prozedere nämlich aus eigener Erfahrung. Entstanden ist damals, als Egli noch jünger und naiver war, dieser Artikel im «Sonntagsblick Magazin» vom 4. September 2009. Immerhin hat er zwei Jahre danach etwas gemerkt.
Nun, Egli hat jetzt eine Freundin im Geiste beim «Bund» gefunden. Lesen fortsetzen
Nichts als Spekulation?
Wir wissen: Vollmond ist nichts Einmaliges. Der Trabant füllt sich mit Sonnenlicht und leert sich wieder, füllt und leert sich, füllt und leert sich. Aus der Perspektive von uns ErdenbürgerInnen endlos, für die Mondsüchtigen unter uns gar erbarmungslos. So strebt denn das Schweizer Medienmeer ob der wilden Tänze, die der Alte im Mond in tannigen Hosen schon wieder vollführt, in fiebriger Wallung aufs Neue zusammen. Der neuste Angriff gilt nich mehr seinem eigenen Bundesratskandidaten, sondern wieder einmal dem Nationalbankpräsidenten und dessen Institution. Allerdings: Das Mondlicht hat sich eingetrübt und die Luft ist dünn geworden in Mordor.
So fragen die Kollegen von Nation of Swine:
«Was sind Blochers wahre Motive für seinen seit über einem Jahr andauernden Kampf gegen den Nationalbank-Präsidenten?» Lesen fortsetzen

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